Ron Obermann antwortet auf Röslers Kritik

Die Telekom hat es neuerdings nicht nur mit entrüsteten Internetnutzern zu tun, nein, neuerdings werden Stimmen in der Politik laut, die eine Drosselung unterbinden möchten. Ron Obermann hat Rösler nun in einem offenen Brief geantwortet…

wenn-ich-eine-Drossel-wär

Zuerst äußert sich Ilse Aigner kritisch gegenüber den Plänen der Telekom, nun stößt auch auch Philip Rösler zum Lager der Drosselungsgegner. Ob es sich hier um die persönliche Überzeugung Röslers und Aigners handelt, oder ob die beiden Politiker nun noch schnell auf der Welle des Populismus mitschwimmen möchten um noch schnell ein paar Sympathiepunkte gutzumachen, soll mal dahingestellt bleiben. Im Blog der deutschen Telekom wurde nun Ron Obermanns offener Antwort-Brief veröffentlicht. Was da geschrieben steht könnt Ihr hier nachlesen. Ich bin allerdings verwundert, dass der Brief nicht mit den Worten „Herab rufe ich zu Euch vom Berg der Gerechtigkeit…..“ beginnt. Malte Götz hat bereits eine Petition gegen die Telekom Drosselung gestartet. Wer sich anschließen möchte sich bei Change.org eintragen.

Man kann nun von der Drosselung halten was man möchte, eines jedenfalls ist sicher, die Einführung von Volumentarifen ist ein erheblicher Einschnitt in Zeiten von Streaming, Cloud Speicher und Online-Spielen. Ach, ich vergaß, das Entertain-Paket der deutschen Telekom zählt ja nicht zum Datenvolumen, es handelt sich ja hierbei nicht um ein Streamin-Portal, sondern um eine Rundfunkanstalt!!! Man fühlt sich fast zurückversetzt in die graue Urzeit der Internetära und verweise hier auf den Fall Sonnet. Höchst amüsant liest sich ein Artikel der Website onlinekosten.de vom 09.09.2000 der wie folgt lautet:

Sonnet: Die Flatrate, die keine mehr ist
aus dem Bereich ISDN/Analog Samstag, 09.09.2000

K O M M E N T A R von Roland Silberschmidt In neuem Glanz erstrahlte Sonnet in den letzten Tagen. Der scheinbar untergehende Stern des Anbieters leuchtete erneut hell auf als man verkündete, daß man ab sofort wieder Anmeldungen entgegennehme. Doch wie es schien, war es ein trügerischer Glanz, der vorübergehend neue und alte Kunden blendete.

Was war geschehen? onlinekosten.de erreichten mehr und mehr Mails von verärgerten Usern, die von Sonnet als sogenannte Poweruser gekündigt wurden. Einige davon geben durchaus zu, daß sie den Dienst bis zum äußersten genutzt hatten, andere zeigen sich eher erstaunt und überrascht über die Kündigung. Mehrfacheinwahl wird ihnen unter anderem vorgeworfen, nur bleibt es Sonnet schuldig zu erklären, wie dies mit einem Analoganschluß möglich ist.

Man habe Beweise, tönt der Anbieter. Logfiles der Telekom, die eine Mehrfacheinwahl oder Kanalbündelung beweisen würden. Hier muß man sich kopfschüttelnd abwenden, denn selbst dem Laien dürfte klar sein, daß man sich mit einem Analoganschluß, also einer einzigen Leitung, eben nicht doppelt einwählen und auch mit Sicherheit keine Kanalbündelung nutzen kann. Der Anbieter muß sich hier fragen lassen, mit welchem technischen Verständnis seine Mitarbeiter ausgestattet sind, wenn sie solch einfache Dinge nicht verstehen.

„Im Zweifel für den Angeklagten“, so heißt es vor jedem Gericht, Sonnet aber läßt all das nicht gelten und kündigt weiter munter seinen Kunden. Leuten, die uns Logfiles zur Verfügung stellten, welche belegen, daß sie gerade einmal 2 – 3 oder auch einmal bis zu 5 Stunden täglich online waren, viele davon normale Modem-Benutzer, die also keine Poweruser sind, sondern eben jene Kunden, die Sonnet angeblich gern sieht. Die Krönung leistete sich der Anbieter aber bei einem User, der sich mehrere Wochen lang nicht in Deutschland aufhielt, seinen Anschluß also gar nicht benutzen konnte und dem man ebenfalls mit dem Vorwurf der mißbräuchlichen Nutzung des Anschlusses kündigte.

Hier scheint einiges im argen zu liegen und es liegt der Verdacht nahe, daß man sich einfach von einem Großteil der alten Kundschaft getrennt hat, wohl auch in der Hoffnung, damit die Daueronliner loszuwerden und mehr normale Wenigsurfer zu gewinnen. Dies scheint ohne Ansehen der Person geschehen zu sein, wie sonst sind die fälschlichen Kündigungen zu erklären? Auch eine neue Fair Use Policy findet sich auf den Seiten des Anbieters. Hierin wird unter anderem auf folgendes hingewiesen:

Die Nutzung des Onlinezugangs sollte in verantwortungsbewußtem Rahmen ablaufen. Dies bedeutet, dass der Zugang nur dann erfolgt, wenn er wirklich benötigt wird. Periodische hohe Nutzung (z.B. am Wochenende, während des Urlaubs, etc.) ist durchaus möglich, sehr hohe Nutzungszeiten über einen langen Zeitraum können wir jedoch nicht dulden.

Hier wäre es wohl fairer von Seiten des Anbieters explizit auf die tatsächliche Nutzung der Flatrate, oder besser des Zugangs hinzuweisen, statt Kunden vorzugaukeln, man könne nun so lange online sein, wie man wolle. Sonnet und auch die anderen durch die minutenabhängingen Zahlungen an die Telekom arg gebeutelten Anbieter sollten hier nicht den schwarzen Peter dem User zuschieben, sondern klar Stellung beziehen und klare Aussagen machen, wie die Situation in Deutschland zur Zeit wirklich ist.

Roland Silberschmidt

Quelle: onlinekosten.de Newsmeldung „Sonnet: Die Flatrate, die keine mehr ist“

Hallo, ich bin Mike und ich hoffe der Artikel hat Dir gefallen. Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen.

Mike – who has written posts on Netzerei.


Be Sociable, Share!

2 comments

  1. Timo 4. Mai 2013 at 20:49

    Reply

    Ich finde es auch einfach erschreckend zu sehen, wie das ganze Thema an den Kunden herangeführt wurde. Hier hätte man von anfang an mit offenen Karten spielen müssen. Dann wäre der Ärger darüber auch nicht so groß.

  2. Andreas 15. August 2013 at 23:46

    Reply

    Ich finde es gut, dass die Politik sich wehrt, denn sie sollte auch mal ein paar Schritte weiter denken. Kommt die Drosselung, heißt das, nur noch wenige Dienste im Internet ungedrosselt abgerufen werden können, die hauseigenen Telekom-Dienste und die, die dafür an die Telekom bezahlen. Die Telekom kassiert so gleich doppelt. Im Web tummeln sich aber Tausende von kleinen Online-Shops, Diensteanbietern und Co., die eben diese Kosten nicht tragen können. Und genau die werden vor die Hunde gehen, mit ihnen gehen Steuereinnahmen verloren und auch Arbeitsplätze. Der gesamtwirtschaftliche Schaden, der durch die Drosselung entstehen würde, sollte in jedem Fall die Politik auf den Plan rufen.

Kommentar verfassen